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Auf ein Wort


Darüber möchte ich mir ein Urteil erlauben ?


Ihr Urteil ist uns wichtig! Bitte nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit. Diese Aufforderung begegnet mir nach einem Einkauf oder wenn ich eine Dienstleistung in Anspruch nehme. Ich soll den Servicetechniker beurteilen, meine Zufriedenheit mit einem Produkt oder den Prozess von Auftragserteilung bis zur Rechnungsstellung. Ich soll und darf urteilen, bewerten und zwar in der Bandbreite von sehr unzufrieden bis sehr zufrieden. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Sache mit dem Glauben ebenfalls für eine Dienstleistung gehalten wird. Wen wundert es dann, wenn sich eine Würzburger Kirchengemeinde auf ihrer Homepage als Dienstleister anbietet: Unsere Dienstangebote sind Taufe, Konfirmation, Trauung, Todesfall und Diakonie. Dem folgend könnte es doch dann auch gleich die entsprechenden Feedbackbögen geben. Wie wäre es mit einer Bewertung von 1 (sehr zufrieden) bis 6 (sehr unzufrieden):


Wie beurteilen Sie die Präsentation der Glaubensvorstellung im Gottesdienst?
Wie beurteilen Sie die Hinwendung des Pfarrers zu Gott?
Wie zufrieden sind Sie mit der Entscheidung der Konfirmanden am Konfirmationssonntag?
Wie beurteilen Sie die Dienstbereitschaft der Diakone?


Mal ehrlich, so abwegig sind diese Gedanken gar nicht. Wie oft urteilen wir so oder so ähnlich und wie viele haben bereits ihre Konsequenzen aus ihrem Urteil gezogen? Wie verhält es sich nun mit der Dienstleistung und dem Glauben? Jesus Christus hatte zweifelsohne einen Dienstauftrag, aber sicher nicht im Sinne einer Dienstleistung, die unseren Lebensweg möglichst angenehm gestaltet. Der Dienst des Christus ist vielmehr ein Dientauftag unter Einsatz seines ganzen Lebens. Beim Glauben an Jesus Christus geht es nicht in erster Linie darum, dass Du freundlich bedient wirst, bei ihm geht es nicht um Servicebereitschaft, sondern um Leidenschaft. Er setzt sich ganz ein, damit wir mit unserem Leben überhaupt zum Ziel kommen.


Er selbst will uns ein Licht sein auf dem Lebensweg und zwar ohne Gegenleistung. Dort wo es um
den Glauben geht, kommen wir mit den Kategorien unserer Dienstleistungsgesellschaft nicht weiter.
Lasst uns also von den Äußerlichkeiten absehen und auf das eigene Fragen nach Gott und die eigene
Leidenschaft schauen. Denn Jesus Christus spricht: koIhr urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile
über keinen so. (Joh 8,15)


Tobias Schwalbe